Friedliche Revolution oder »Wende«?
Auch nach 20 Jahren hat sich keine einheitliche Bezeichnung für den Sturz der SED-Diktatur durchgesetzt. Vergleicht man die Ursprünge des Umbruchs, seinen Ablauf und seine Folgen mit denen anderer Revolutionen, so kann man dem Geschehen das Prädikat »revolutionär« jedoch nur schwerlich vorenthalten. Allerdings zeichnet sich der Herbst 1989 dadurch aus, dass es keine Toten gab. Der Zusatz »friedlich« markiert daher einen neuen Typ von »demokratischen Revolutionen«, welche sich gerade durch die Gewaltlosigkeit der Revolutionäre auszeichnen.
Die Spontaneität der Demonstrationsbewegung und sicher auch der maßgebliche Einfluss kirchlicher Gruppen bewahrte die Revolution in vielen Situationen – etwa während der »Schlacht um den Dresdner Hauptbahnhof« Anfang Oktober 1989 – vor einer gewalttätigen Eskalation.
Der Begriff der »Wende« wurde dagegen von Egon Krenz geprägt. Nachdem er am 18. Oktober 1989 Generalsekretär der SED, die die Demonstrationsbewegung bis dahin bekämpft hatte, geworden war, verkündete er: »Mit der heutigen Tagung werden wir eine Wende einleiten, werden wir vor allem die politische und ideologische Offensive wieder erlangen«. Seine Rede vor dem Zentralkomitee der SED wiederholte Krenz wortgleich am selben Tag im DDR-Fernsehen. Daraufhin wurde der Begriff zunächst vor allem in der ironischen Wortschöfpung des »Wendehalses« populär, mit dem in dieser Zeit Menschen bezeichnet werden, die im angesichts des Umbruch plötzlich grundlegend andere politische Meinungen äußern. Kritisiert wird, dass der Begriff, anders als der der »Friedlichen Revolution« keine erkennbare Verbindung zur demokratischen Tradition der Bundesrepublik herstelle.
MDR-FIGARO trifft Prof. Rainer Eckert: 20 Jahre Friedliche Revolution
Prof. Rainer Eckert, Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig und außerplanmäßiger Professor für politische Wissenschaften an der Universität Leipzig äußert sich unter anderem zu »Friedliche Revolution« und »Wende«
Chronik der Wende: 18.10.1989
TV-Beiträge am Tage des Rücktritts von Erich Honecker
Interview: Die SED als Religionsgemeinschaft: Ilko Sascha-Kowalczuk über das Ende der DDR
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Erster Teil
Zweiter Teil


