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1961 – Bau der Mauer

Die Zementierung der deutschen Teilung

Bild Segment der »Berliner Mauer« mit Häuserzeile im Hintergrund

28 lange Jahre trennte die »Berliner Mauer« nicht nur Ost- und Westberlin, sondern als Teil des »Eisernen Vorhangs« ganz Europa.
(© istockphoto)

»Seit dem Anbruch des Sonntags herrschen Ordnung und klare Verhältnisse an den Grenzen der Deutschen Demokratischen Republik«, titelte die SED-Parteizeitung »Neues Deutschland« in der Ausgabe vom 14. August 1961. Es war Tag eins nach den Ereignissen, die Berlin, dem zweigeteilten Deutschland und dem Kalten Krieg eine neue Dimension verleihen sollten. In den frühen Morgenstunden des 13. August begannen unter strenger Überwachung der Volkspolizei die Bauarbeiten der »Berliner Mauer« mitten durch die schockierte Großstadt. Was der Öffentlichkeit zunächst noch als provisorisches Stacheldrahthindernis anmutete, entwickelte sich in den 28 Jahren ihres Bestehens zu einem ebenso perfiden wie nahezu perfekten Grenzsicherungssystem, das sich von Stolperdrähten über KfZ-Sperren bis hin zu Selbstschussanlagen erstreckte. So konnte auch die SED-Regierung mit dem Euphemismus des »antifaschistischen Schutzwalls« das wahre Ziel dieser innerstädtischen Barriere nicht verschleiern: die DDR-Bürger an der Flucht in die Bundesrepublik zu hindern.
 Die endgültige Teilung Deutschlands war besiegelt. Tatsächlich hatte die DDR seit 1952 am Ausbau der innerdeutschen Grenze von der Ostsee bis zum Erzgebirge gearbeitet, wobei der Stadt Berlin stets eine Sonderrolle zukam. Aufgrund ihrer geografischen Lage innerhalb der SBZ/DDR und der Einteilung in vier Sektoren blieben die Innen- und Außengrenzen der Stadt schwer zu kontrollieren. So bildet der am 13. August 1961 beginnende Mauerbau eine Zäsur, deren Tragweite sich nicht nur auf die deutsch-deutsche Geschichte beschränkt, sondern darüber hinaus den Wettstreit der Systeme in der Welt intensivierte.
Für die deutsche Bevölkerung, und besonders für die Einwohner Berlins, bedeutete die paradoxe Grenzsituation in ihrer Heimatstadt auch den Verlust von Familienmitgliedern und Freunden in den jeweiligen Stadtteilen von Ost und West. Dramatische Fluchtversuche spielten sich an den letzten Grenzhäusern der Bernauer Straße ab. Weltweite Bekanntschaft erhielten die Aufnahmen vom Freiheitssprung des NVA-Soldaten Conrad Schumann über den Stacheldraht. Traurige Berühmtheit erlangte hingegen Peter Fechter, eines der ersten Maueropfer, der durch Schussverletzungen von DDR-Grenzern im Todesstreifen vor aller Augen hilflosverblutet war. Bis heute gibt es abweichende Angaben zur tatsächlichen Anzahl der Mauertoten. Historiker schätzen die Opferzahl auf 136 bis 200.
Ohne Zweifel wurde mit dem Mauerbau der Exodus junger und qualifizierter Menschen in die Bundesrepublik gestoppt. Daher wurde der 13. August 1961 auch als »weite Geburt« der DDR bezeichnet, weil dem ostdeutschen Regime in den 1960er Jahren eine gewisse wirtschaftliche Konsolidierung gelang.
1989, im vierzigsten Jahr des mittlerweile maroden SED-Regimes, wuchs sich der Unmut der DDR-Bürger über die hiesigen Zustände zur Revolution aus. Der gesamte Ostblock geriet in Wandel und Erneuerung. Tausende Ostdeutsche flüchteten über die Botschaften der BRD in Prag und Budapest oder über die grüne Grenze von Ungarn nach Österreich. Parallel dazu forderten Oppositionelle und Bürger auf den Montagsdemonstrationen freie Wahlen, Reisefreiheit und Reformen in der DDR. In diesen brisanten Herbstwochen reagierte die von den Ereignissen überforderte SED-Spitze ebenso sensationell wie unvermutet. Ein neues Reisegesetz ermöglichte es den DDR-Bürgern fortan in den Westen zu reisen. Noch in der Nacht des 9. November strömten Tausende Menschen an die Mauer, um sich von der Wirklichkeit zu überzeugen. Die völlig konsternierten Grenzer reagierten auf den massiven Ansturm mit der Öffnung der Kontrollpunkte nach Westberlin. Die Mauer war gefallen.
In der Historie markierte der 9. November 1989 weitaus mehr als lediglich die Öffnung einer Grenze. Vielmehr erodierte mit dem Mauerfall die Macht der SED, und es war zugleich ein Vorzeichen für das Ende der DDR. Am 3. Oktober 1990 wurde Deutschland wiedervereinigt. Der 13. August 1961 war Geschichte.

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